Entzündung

Entzündungsreaktion

Eine Entzündung ist die Reaktion des Körpers auf eine Schädigung von Bindegewebe. Diese Entzündungsreaktion ist wichtig für die Heilung, da geschädigtes Gewebe ersetzt wird. Dabei geht es nicht nur um große Risse, Brüche oder Prellungen, sondern auch um kleinere Schädigungen, die durch Überlastung oder Mikrotraumen entstehen.

Eine Entzündungsreaktion durchläuft verschiedene Phasen:

  1. Entzündungsphase.
  2. Proliferationsphase.
  3. Organisationsphase.

Phase 1. Entzündungsphase

Wenn Gewebe beschädigt wird, so klein die Schädigung auch ist, sind Zell- und Blutgefäßschädigungen die Folge. Dadurch setzt ein Prozess ein, bei dem entzündungshemmende Stoffe produziert werden. Diese befinden sich im Blut, weshalb eine gute Durchblutung des Körpers von großer Bedeutung ist. Diese Stoffe fördern die Heilung.

Ziel der Entzündungsphase ist die Reinigung der Wunde und die Aktivierung von Zellen für die Gewebereparatur. Durch diese Prozesse werden die Nervenendigungen empfindlich, was zu einem erhöhten Schmerzempfinden führt.

Während der Entzündungsphase erweitern sich die Blutgefäße, um das Gebiet mit so viel Blut wie möglich zu versorgen. Dadurch kann sich die Region warm anfühlen und gerötet sein (wenn sie oberflächlich liegt). Die zusätzliche Durchblutung sorgt auch dafür, dass das Blut mehr Flüssigkeit (Plasma) abgibt. Dies führt zu einer Schwellung (Ödem). Eine Schwellung kann hinderlich sein, besonders wenn ein Gelenk beteiligt ist. Das kann nämlich eine Bewegungseinschränkung verursachen.

Die Merkmale einer Entzündungsreaktion sind also:

  • Schmerz.
  • Rötung.
  • Schwellung.
  • Wärme.

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Phase 2. Proliferationsphase (Reparaturphase)

Während der Proliferationsphase beginnt die Heilung des Gewebes. Die Phasen lassen sich nicht strikt trennen und überlappen immer (siehe Abbildung). So beginnt die Proliferationsphase bereits recht bald (innerhalb weniger Tage) nach der Schädigung. Ziel der Proliferationsphase ist es, das Wundgebiet zu verkleinern und die Wunde funktionsgeleitet zu heilen. Das heißt, das Gewebe wird wieder für die Funktion vorbereitet, die später verlangt wird.

Die Prozesse, die für die Heilung sorgen, bilden neues Bindegewebe. Dieses Bindegewebe hat noch nicht die Stärke und Funktion des ursprünglichen Gewebes. Dadurch ist das neue Gewebe in dieser Phase noch sehr verletzlich. Es ist wichtig, dem sich bildenden Gewebe die richtige Funktion mitzugeben. In der Praxis heißt das, dass du in dieser Phase noch nicht voll belastbar bist, dich aber funktionell bewegen solltest.

Zum Beispiel muss ein Muskel, der gerissen ist, während der Heilung wieder seine volle Länge und Muskelkraft erlangen, um optimal zu funktionieren. Wird der Muskel in dieser Phase nicht bewegt und in verkürzter Position gehalten, bleibt er anschließend kürzer als zuvor. Der Muskel muss also in der richtigen Länge bewegt werden.

Krafttraining mit Zusatzgewichten, um den Muskel stärker zu machen, ist in dieser Phase nicht ratsam, da das Gewebe noch zu verletzlich ist. Begleitung während dieses Prozesses ist daher wichtig.

Phase 3. Organisationsphase

Die Organisationsphase dient dazu, das Gewebe wieder auf die volle Funktion zurückzubringen und damit die Belastbarkeit zu vergrößern. Dies geschieht durch Verstärkung des Gewebes, das Einwachsen von Nervenfasern und die Reorganisation der Blutgefäße. Das sorgt unter anderem dafür, dass die neue Struktur wieder vom zentralen Nervensystem erkannt wird.

Während dieser Phase ist die Rehabilitation auf die vom Gewebe erwartete Funktion ausgerichtet. Dies ist abhängig von der Person. Die Belastung, die ein Spitzensportler vom Gewebe verlangt, ist ganz anders als die Belastung bei einem weniger aktiven Menschen.

Es kann 12 Monate dauern, bis das anfangs gebildete Bindegewebe vollständig funktionell ist. Bis dahin sind Veränderungen auf mikroskopischer Ebene sichtbar.

Das heißt nicht, dass das Gewebe in der Zwischenzeit nicht voll belastet werden darf, sondern dass sich das neue Gewebe über 12 Monate an die geforderte Funktion anpasst. Das Gewebe sollte also maximal belastet werden, aber zum richtigen Zeitpunkt in der Rehabilitation, um es so stark wie möglich zu machen.

Risiken

Eine Entzündungsreaktion ist ein sehr guter Mechanismus des Körpers. Jeder, ob fit oder gesund, hat mit der natürlichen Entzündungsreaktion zu tun. Die Dauer der Phasen kann sich je nach Größe der Verletzung und Person unterscheiden. Eine gute Durchblutung sorgt für eine schnellere Heilung, da die entzündungshemmenden Stoffe die Schädigung besser erreichen können.

Wenn während der Entzündungsphase nicht ausreichend Ruhe eingehalten wird, um dem Körper diese Phase zu ermöglichen, bleibt eine Entzündung bestehen. Das ist mit einer Schnittwunde am Finger vergleichbar. Wenn diese jeden Tag wieder aufgerissen wird, wird sie nie optimal heilen.

Oft werden entzündungshemmende Medikamente verschrieben, wenn die Entzündungsphase zu lange dauert und es zu vielen Einschränkungen im Alltag kommt. Das ist eine gute Möglichkeit, dem Körper zu helfen, durch die Entzündungsphase zu kommen. Weil die Schmerzen abnehmen, kann das Gewebe wieder belastet werden; allerdings ist das Risiko einer Überlastung sehr groß. Das Gewebe war lange in der Entzündungsphase und ist dadurch sehr schwach geworden.

Wenn die Schmerzen künstlich vermindert sind und die Beweglichkeit zunimmt, ist die Gefahr groß, das Gewebe schnell zu stark zu belasten. Das führt wiederum zu Überlastung, was erneut eine Entzündungsreaktion verursacht. Medikamente können also helfen, aber es ist von großer Bedeutung, die Belastung anschließend langsam zu steigern.

Zusammenfassung

Entzündungsphase (Phase 1)
Merkmale
  • Schmerz.
  • Rötung.
  • Schwellung.
  • Wärme.
  • Bewegungseinschränkung.
Maßnahmen
  • (Relative) Ruhe.
  • Bewegen zur Verbesserung der Durchblutung.
Risiken
  • Zu wenig Ruhe, wodurch die Entzündung anhält.
Proliferationsphase (Phase 2)
Merkmale
  • Reparatur des Gewebes.
  • Fragiles Gewebe.
Maßnahmen
  • Funktionelle Bewegung ohne übermäßige Belastung.
Risiken
  • Zu viel Ruhe.
  • Zu viel Bewegung/Kraft, wodurch erneut eine Entzündungsreaktion entsteht.
Organisationsphase (Phase 3)
Merkmale
  • Anpassung des Gewebes an die Funktion.
Maßnahmen
  • Belastung steigern.
  • Funktionell trainieren (je nach Person unterschiedlich).
Risiken
  • Falsche Belastung für die Funktion, wodurch das neue Bindegewebe nicht die richtigen Eigenschaften erhält.
  • Zu geringe Belastung für die Funktion, wodurch das neue Bindegewebe nicht stark genug ist, mit Risiko für neue Verletzungen.

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